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Planetenbeobachtung:
Allgemeine Grundlagen

Inhalt
1. Einleitung 6. Eigenschaften von Planeten
2. Geeignete Geräte 7. Voraussetzungen und Vorgehensweise
3. Bewegung und Konstellationen 8. Vergrößerungen
4. Ablauf einer Sichtbarkeitsphase 9. Farbfilter
5. Konjunktionen 10. Fazit

Die Planeten des Sonnensystems

Die Planeten im richtigen Größen- (oben) und Entfernungsverhältnis (unten). Bild: NASA

Die Planeten sind mit Ausnahme von Uranus und Neptun helle und auffällige astronomische Objekte. Befinden sie sich in günstiger Beobachtungsposition, gehören sie zu den hellsten Gestirnen. Sie sind deshalb relativ einfach aufzufinden. Aus diesen Gründen gehören sie bei Einsteigern zu den begehrtesten Beobachtungszielen. Aber auch der fortgeschrittene Amateurastronom findet in unseren Nachbarn im Universum ein sehr interessantes Beobachtungsfeld.

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Geeignete Geräte

Langbrennweitige Teleskope mit langsamem Öffnungsverhältnis: Newtons von f/6 bis f/8, Maksutov-Cassegrains, langsame ED-Refraktoren, Schmidt-Cassegrains, APO-Refraktoren sowie bedingt sehr langsame, kleine Achromaten

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Bewegung und Konstellationen

Äußere (Obere) Planeten

Die wichtigsten Konstellationen sind die Konjunktion und die Opposition. Bei der Opposition steht der Planet von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber. Dies ist die günstigste Beobachtungsposition: Der Planet ist die ganze Nacht am Himmel sichtbar und hat seine größte Helligkeit und den größten Durchmesser. Die entgegengesetzte Konstellation ist die Konjunktion zur Sonne. Hierbei steht der Planet von der Erde aus gesehen hinter der Sonne am Taghimmel, also in 180 Grad Winkelabstand von der Erde. In seiner Konjunktionszeit ist der Planet also unbeobachtbar.

Der Vollständigkeit halber sei die Quadratur eines äußeren Planeten zur Sonne erwähnt. Das sind die Positionen, in denen Sonne, Erde und der betrachtete Planet einen rechten Winkel bilden. Sie haben keine Bedeutung in der praktischen Himmelsbeobachtung.

Innere (Untere) Planeten

Die wichtigsten Konstellationen sind hier die obere und untere Konjunktion sowie die größte westliche und größte östliche Elongation. In oberer Konjunktion steht der Planet von der Erde aus gesehen hinter der Sonne, also in 180 Grad Winkelabstand von der Erde. Die untere Konjunktion ist der Punkt, in dem sich der Planet zwischen Erde und Sonne befindet. Hier finden auch die sehr seltenen Transits von Merkur und Venus vor der Sonne statt. In beiden Konjunktionen sind die inneren Planeten unbeobachtbar. Die größte westliche bzw. östliche Elongation bezeichnet den größten Winkelabstand eines inneren Planeten von der Sonne in westlicher bzw. östlicher Richtung. Dies sind die günstigsten Beobachtungsphasen für die inneren Planeten.

Die inneren Planeten Merkur und Venus zeigen aufgrund der geometrischen Verhältnisse Phasen, die an die des Mondes erinnern. Im Abschnitt "Ablauf einer Sichtbarkeitsperiode" werden die Phasen bei ihren jeweiligen Sichtbarkeitspunkten erläutert.

Verlauf einer Opposition

Zunächst bewegt sich der Planet auf seiner Bahn zwischen den Sternen rechtläufig von West nach Ost. Rechtläufig bedeutet, dass die Rektaszension des betrachteten Himmelskörpers mit der Zeit zunimmt. Nach Beginn der sog. Oppositionsschleife bremst der Planet ab und kommt vor dem Hintergrund der Sterne scheinbar zum Stillstand. Es folgt eine rückläufige Bewegung, bei der sich der Planet vor dem Sternenhintergrund von Ost nach West bewegt. Dieser Prozess wird dadurch verursacht, dass die Erde den Planet zur Opposition überholt. Beim Ende der rückläufigen Bewegung tritt ein erneuter Stillstand ein, und die Bewegung wird wieder rechtläufig. Schließlich ist die Oppositionsperiode abgeschlossen.

Verlauf einer unteren Konjunktion

In oberer Konjunktion verläuft die Bahn innerer Planeten rechtläufig. Die Bahnform, die der Oppositionsschleife der äußeren Planeten entspricht, tritt bei inneren Planeten in unterer Konjunktion auf. Die Phase der rückläufigen Bewegung hat hier jedoch die Form eines "Z". Die Bewegung ist hier rückläufig, der Planet überholt die Erde hierbei auf der Innenbahn.

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Ablauf einer Sichtbarkeitsphase

Äußere Planeten

Nach einer Konjunktion zur Sonne beginnt die Sichtbarkeitsphase eines äußeren Planeten zur Sonne mit einer Morgensichtbarkeit am Osthimmel. Der Abstand zur Sonne vergrößert sich hierbei, da die Bewegung der Sonne auf der Ekliptik von West nach Ost schneller ist als die Eigenbewegung des Planeten auf seiner Bahn in gleicher Richtung. In Folge dessen geht der Planet täglich ein paar Minuten früher auf, und er ist mit der Zeit immer besser zu beobachten. Während dieser Phase nehmen der scheinbare Durchmesser und die Helligkeit des Planeten stetig zu. Die Abbildung zeigt die zunehmende Horizonthöhe eines Planeten nach der Konjunktion am Beispiel der beginnenden Saturn-Sichtbarkeitsphase Ende 2010. Die Planetenposition über dem Horizont ist jeweils für 5:30 Uhr MESZ bzw. MEZ (automatische Umrechnung) angegeben. Die Darstellung beginnt am 25.10.2010 links unten und dauert zwei Monate. Der Abstand der beschrifteten Positionen beträgt fünf Tage.

Morgensichtbarkeit des Saturn

Grafik erstellt mit CalSky (www.calsky.de)

Nach einiger Zeit beginnt schließlich die Oppositionsperiode. Der Planet bewegt sich immer langsamer, bis er scheinbar zum Stillstand kommt. Anschließend bewegt er sich rückläufig. In der Oppositionsphase geht der Planet auf, wenn die Sonne untergeht. Er ist also die ganze Nacht beobachtbar. Das ist die beste Zeit, einen Planeten zu beobachten. Das Ende der Oppositionsperiode wird durch einen erneuten Stillstand auf seiner scheinbaren Bahn mit anschließender, erneuter Rechtläufigkeit eingeleitet. Zur Opposition erreicht der Planet seine größte Helligkeit und den größten scheinbaren Durchmesser. Danach nehmen sie langsam wieder ab. Die Abbildung zeigt eine typische Oppositionsschleife am Beispiel der Oppositionsphase des Mars 2009 / 2010. Der Abstand zwischen den einzelnen Planetenpositionen beträgt jeweils drei Tage.

Oppositionsschleife des Mars

Grafik erstellt mit CalSky (www.calsky.de)

Schließlich wird der Planet zum Gestirn der zweiten Nachthälfte. Die Sichtbarkeitsdauer verkürzt sich nach der Opposition täglich. Die Winkelabstände des Planeten zur Sonne verringern sich, bis er nur noch am Abendhimmel zu sehen ist: Die Sonne holt den Planet auf der Ekliptik ein. Die Abendsichtbarkeiten verkürzen sich, nach Sonnenuntergang steht der Planet täglich etwas tiefer. In dieser Phase ist der Planet wie bei den ersten Morgensichtbarkeiten nur ungünstig mit dem Teleskop zu beobachten. Seine Helligkeit und scheinbarer Durchmesser nehmen während dieser Phase permanent ab. Die Abbildung zeigt den Verlauf einer Abendsichtbarkeit von Planeten am Beispiel des Endes der Saturn-Sichtbarkeitsperiode 2010 / 2011. Die Planetenposition über dem Horizont ist jeweils für 21:00 Uhr MESZ angegeben. Die Darstellung beginnt am 30.6.2011 links unten und dauert zwei Monate. Der Abstand der beschrifteten Positionen beträgt fünf Tage.

Abendsichtbarkeit des Saturn

Grafik erstellt mit CalSky (www.calsky.de)

Schließlich kommt es zur Konjunktion zur Sonne, bei der der Planet hinter der Sonne am Taghimmel steht. Der Zyklus beginnt erneut.

Innere Planeten

In unterer Konjunktion steht der Planet bei größtem scheinbarem Durchmesser zwischen Erde und Sonne am Taghimmel und ist unbeobachtbar. Zu dieser Zeit blicken wir auf die Nachtseite des Planeten, seine Phase entspricht der des Neumondes. In dieser Phase bewegt er sich rückläufig, da der innere Planet die Erde überholt. Danach vergrößert sich der Abstand des Planeten zur Sonne, er wird analog zu den äußeren Planeten am Morgenhimmel sichtbar. Die Beobachtungsbedingungen werden hierbei stetig besser, sein scheinbarer Durchmesser nimmt jedoch ab, da er sich von der Erde entfernt. Die zunächst extrem schmale Sichel wird im Teleskop immer breiter. Der Anblick entspricht mit aufrechtem und seitenrichtigem Bild dem des abnehmenden Mondes. Der genaue Zeitpunkt, an dem die Bewegungsrichtung in dieser Phase von der Rückläufigkeit zur Rechtläufigkeit wechselt, hängt von der jeweiligen Stellung der Erde zum beobachteten Planet ab. Die Umkehrung erfolgt in etwa zu Beginn der Sichtbarkeit oder ein wenig danach.

Schließlich erreicht der Planet mit dem größten westlichen Winkelabstand zur Sonne seine größte westliche Elongation und damit die beste Beobachtungsphase. In dieser Zeit ist der Planet zur Hälfte beleuchtet ("Dichotomie"). Die Phase entspricht dem abnehmenden Halbmond bei aufrechtem und seitenrichtigem Bild. Der Durchmesser des Planeten nimmt weiter ab.

Die Morgensichtbarkeit dauert weiterhin an. Die Sichtbarkeitsperiode wird hierbei täglich etwas kürzer, da der Planet jeden Tag bei Sonnenaufgang etwas dichter über dem Horizont steht. Hierbei verschlechtern sich die Beobachtungsbedingungen merklich. Das Planetenscheibchen bietet im Teleskop mit aufrechtem und seitenrichtigem Bild bei abnehmendem scheinbarem Durchmesser die Phase des abnehmenden Dreiviertelmondes. Schließlich steht der Planet von der Erde aus gesehen hinter der Sonne am Taghimmel. Die obere Konjunktion ist erreicht. In dieser Phase ist der betreffende Planet unbeobachtbar, aber als voll beleuchtetes winziges Planetenscheibchen. Die Abbildung zeigt eine Morgensichtbarkeit am Beispiel der Venus-Morgensichtbarkeit von 2010/1011. Die größte westliche Elongation fand hier am 8.1.2011 statt.

Morgensichtbarkeit der Venus

Grafik erstellt mit CalSky (www.calsky.de)

Weiterhin rechtläufig, vergrößert sich der Winkelabstand zwischen Sonne und Planet wieder. Mit der Zeit wird er am Abendhimmel sichtbar. Nach Sonnenuntergang hat der Planet täglich einen etwas größeren Abstand von der Sonne. Gleichzeitig verbessern sich auch die Beobachtungsbedingungen, da er dann höher am Himmel steht. Der Planet nimmt hierbei ab, wobei die Phasen denen des zunehmenden Dreiviertelmondes entsprechen. Sein Durchmesser im Teleskop nimmt stetig zu.

Schließlich wird mit der größten östlichen Elongation der größte Winkelabstand zur Sonne erreicht. Zu dieser Zeit liegen die besten Beobachtungsbedingungen während einer Abendsichtbarkeit vor. Es kommt zur erneuten Dichotomie, diesmal bei aufrechtem und seitenrichtigem Bild in der Form des zunehmenden Halbmondes.

Nun erfolgt eine scheinbare Bewegung auf die Sonne zu. Die Abendsichtbarkeiten verkürzen sich hierbei, und nach Sonnenuntergang steht der Planet täglich etwas niedriger über dem Horizont, wobei die Sichel im Teleskop immer schmaler, aber im Durchmesser größer wird. In diese Zeit fällt auch der erneute Wechsel von der rechtläufigen zur rückläufigen Bewegungsrichtung des Planeten am Himmel. Die exakte Zeit dieser Umkehrung hängt wiederum von der jeweiligen Lage der Planeten im Raum ab und schwankt von Zyklus zu Zyklus. Die Beobachtungsbedingungen verschlechtern sich. Schließlich befindet er sich wieder zwischen Erde und Sonne in unterer Konjunktion, und der Zyklus beginnt erneut. Die Abbildung zeigt eine Abendsichtbarkeit am Beispiel der Venus-Abendsichtbarkeit 2010. Die größte östliche Elongation fand hier am 20.8.2010 statt.

Abendsichtbarkeit der Venus

Grafik erstellt mit CalSky (www.calsky.de)

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Konjunktionen

Abgesehen von der Konjunktion eines Planeten zur Sonne wird dieser Begriff auch dann verwendet, wenn zwei planetare Körper oder ein solcher und der Mond dicht beieinander stehen. Dies sind stets sehenswerte Erscheinungen, die je nach Dichte der Begegnung im Fernglas oder Teleskop mit schwacher Vergrößerung einen reizvollen Anblick bieten. Das sind Konjunktionen im weiteren Sinn. Streng genommen liegt eine Konjunktion definitionsgemäß immer nur in dem Moment vor, an dem die beteiligten Gestirne die gleiche Rektaszension aufweisen.

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Eigenschaften von Planeten

Planeten sind sehr kleine Objekte. Jupiter, der größte aller Planeten, erreicht am Himmel einen scheinbaren Durchmesser von ca. 40 Bogensekunden. Der Vollmond hat einen mittleren scheinbaren Durchmesser von 1920 Bogensekunden. Jupiter erscheint für das bloße Auge und im Teleskop also 48 mal kleiner als der Vollmond. Mit Ausnahme von Venus (maximaler scheinbarer Durchmesser gut 50 Bogensekunden in der Nähe der unteren Konjunktion) erscheinen die übrigen Planeten noch kleiner als Jupiter. Für detaillierte Beobachtungen sind also starke Vergrößerungen erforderlich.

Die dann erkennbaren Planetendetails sind nur zart angedeutet und kontrastarm. Sie erscheinen visuell in aller Regel weniger kontrastreich als auf modernen Fotos. Für gute Planetenbeobachtungen werden also kontrastreiche Optiken benötigt, deren Obstruktion bei maximal ca. 25 Prozent des Durchmessers liegen sollte, wenn man sehr hohe Ansprüche an die Ergebnisse stellt. Bei ansonsten einwandfreien und perfekt justierten Teleskopen gilt die Faustformal des Kontrastdurchmessers: Der Kontrast einer obstruierten Optik entspricht dem eines obstruktionsfreien Teleskops, dessen Durchmesser dem des obstruierten Geräts abzüglich des Obstruktionsdurchmessers entspricht. Ein Teleskop mit 20 Zentimeter Spiegeldurchmesser und 25 Prozent Obstruktion zeigt also die gleiche Kontrastleistung wie ein farbreiner Refraktor mit 15 Zentimeter Öffnung.

Diese Regel gilt jedoch nur für weiche Kontraste, wie sie bei Planeten vorliegen. Bei Mond und Doppelstrenen gilt sie nicht. Das Auflösungsvermögen bleibt hiervon unberührt, dies wird unabhängig von der Obstruktion nur durch die freie Öffnung bestimmt.

Aufgrund dieser weichen Kontraste reagieren Planeten sehr anfällig auf atmosphärische Störungen, nämlich Seeing und Dunst. Schlechtes Seeing lässt feine Details auf Planetenoberflächen verschmieren, das Bild wird dann insbesondere bei hohen Vergrößerungen nicht richtig scharf. Dunst hat einen Weichzeichnungseffekt zur Folge, der Planetendetails ebenfalls verschmieren lässt. Das gilt speziell dann, wenn Planeten tief am Himmel stehen. Nach Erfahrung des Autors sind für gute Planetenbeobachtungen mindestens 30 Grad Horizonthöhe erforderlich. Mitunter verschlechtert bereits eine leichte Dunstschicht, die man mit dem bloßen Auge kaum wahrnimmt, das Planetenbild im Teleskop sichtbar. Die ansonsten für astronomische Beobachtungen verheerende Lichtverschmutzung ist bei der Planetenbeobachtung irrelevant.

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Voraussetzungen und Vorgehensweise

Wie bereits erläutert, sind für Planeten aufgrund ihres kleinen scheinbaren Durchmessers hohe Vergrößerungen erforderlich. Dies bedingt nach Möglichkeit große Öffnungen sowie eine sehr gute und einwandfrei justierte Optik und Okulare. Für hoch aufgelöste Planetenbeobachtungen sollte man Teleskope mit mindestens 15 Zentimeter (sechs Zoll) Öffnung verwenden. Kleinere Geräte liefern ebenfalls eindrucksvolle Ergebnisse, die Bilder zeigen jedoch weniger Details. Schnelle, lichtstarke Optiken müssen mit höchster Präzision gefertigt und justiert werden, damit das Bild bei den erforderlichen Vergrößerungen einwandfrei scharf erscheint. Gutes Seeing ist für Planetenbeobachtungen unabdingbar.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal die Notwendigkeit eines möglichst hohen Standes des Planeten am Himmel hervorgehoben. Das reduziert einerseits die Einflüsse durch horizontnahe Dunstschichten. Das Seeing ist auch stets umso besser, je weiter man sich vom Horizont in Richtung Zenit entfernt.

Zur Reduzierung des atmosphärischen und lokalen Seeings werden neben den bereits erwähnten Möglichkeiten folgende Maßnahmen empfohlen:

Das atmosphärische Seeing ist in der zweiten Nachthälfte und früh morgens, wenn die Erde die tagsüber gespeicherte Wärme in weiten Teilen abgegeben hat, in der Regel am besten. Grundsätzlich wird aus diesem Grund bei der Planetenbeobachtung eine Menge Geduld benötigt, da die Momente mit sehr ruhiger Luft in der Regel nur sehr kurz sind.

Das teleskopeigene Seeing, das sog. Tubus-Seeing, lässt sich reduzieren, indem man das Teleskop hinreichend lange auskühlen lässt (je nach Größe und Optik-Typ mindestens 15 Minuten bei kleinen Refraktoren und bis zu drei Stunden bei großen Spiegelteleskopen mit geschlossenen Tuben) und an der Spiegelzelle eine Tubuslüftung einbaut, die die warme Luft aus dem Tubus saugt.

Beim lokalen Seeing ist die wichtigste Grundregel, das Teleskop wenn möglich weit weg von lokalen Wärmequellen wie Gebäuden oder asphaltierten Straßen aufzustellen. Ein Beobachtungsplatz auf Rasen ist weniger seeinganfällig als Beton oder Asphalt. Hat man nur einen solchen Untergrund, zum Beispiel auf einem Balkon, zur Verfügung, bringt es bereits eine Verbesserung, ihn vorher mit kaltem Wasser abzuspritzen.

Hat man primär nur die Möglichkeit, auf einem Balkon oder einer Terrasse zu beobachten, empfiehlt es sich dringend, die Tür und die Fenster komplett zu schließen. Ansonsten hat man einen permanenten Warmluftstrom durch den Spalt ins Freie, der das Seeing erheblich beeinträchtigt.

Der nächste Schritt ist die Optimierung bzw. Auswahl einer Optik in Hinblick auf ein möglichst gutes Kontrastverhalten. Neben der bereits erläuterten möglichst geringen Fangspiegel-Obstruktion ist die Vermeidung von Streulicht der wichtigste Punkt. Nach Möglichkeit sollte eine Optik mit geschlossenem Tubus gewählt werden. Große Teleskope mit Gitterrohr-Konstruktionen sollten mit einem schwarzen Stofftuch umwickelt und die Rohrstangen mattschwarz lackiert werden. Eine richtig dimensionierte Taukappe verhindert ebenfalls das Eindringen von Streulicht in den Tubus. Bei Newton-Reflektoren gibt es eine einfache Überprüfung der richtigen Dimensionierung dieser Taukappe: Schaut man ohne Okular in den Okularauszug, darf man nur die innenwand des Tubus bzw. der Taukappe erkennen. Sieht man auch die Umgebung, fällt Streulicht in den Okularauszug.

Eine weitere Optimierungsmöglichkeit in Hinblick auf guten Kontrast ist eine Verbesserung der Innenschwärzung. Dies kann mit mattschwarzem Tafellack oder noch besser durch die Auskleidung des Tubus mit schwarzem Velours aus dem Baumarkt erfolgen. Bei Newton-Teleskopen funktioniert das am einfachsten. Diese Maßnahme wird jedoch nur erfahrenen Beobachtern empfohlen, da das Teleskop hierfür komplett zerlegt und anschließend von Grund auf neu justiert werden muss. Man kann auch bereits sichtbare Verbesserungen erzielen, wenn man bei Newtons den Bereich gegenüber des Okularauszuges mit Velours auskleidet. Hierfür ist keine Demontage des Teleskops erforderlich. Die allermeisten Teleskope bieten auch ohne die Auskleidung mit Velours einen guten Kontrast.

In Bezug auf die Okulare haben sich in Verbindung mit langsamen, lichtschwachen Optiken einfache, vierlinsige Konstruktionen bewährt. Orthoskopische und Plössl-Okulare gelten als hervorragende Planetenokulare. Bei Teleskopen ohne Nachführung, zum Beispiel Dobsons, können auch Weitwinkelokuare ihre Stärken ausspielen. Sie haben größere Gesichtsfelder als die erstgenannten Konstruktionen, so dass nicht ganz so oft nachgeführt werden muss. In Bezug auf die Bildschärfe sind sie den Planetenokularen bei hochwertiger Fertigung ebenbürtig. Aufgrund der größeren Anzahl von Linsen wirkt das Bild nach Erfahrung des Autors im direkten Vergleich mit typischen Planetenokularen jedoch etwas matter und kontrastärmer.

Das Problem bei kurzbrennweitigen Planetenokularen ist der kurze Augenabstand, der bei sehr kurzen Okularbrennweiten ab etwa sieben bis sechs Millimeter unangenehm werden kann. Die Beobachtung strengt das Auge dann mehr an, die Folge ist bei längerem Beobachten in Folge der Ermüdung der Augen ein Wahrnehmungsverlust bei feinsten Strukturen. Insbesondere Brillenträger haben mit solchen Okularen Probleme, da man mit Brille das Gesichtsfeld nicht komplett überblicken kann. In diesen Fällen empfehlen sich Okulare mit großem Augenabstand. Sie wurden speziell für ermüdungsfreies Beobachten und für Brillenträger entwickelt. Der Gewinn an Beobachtungskomfort ist enorm. Aufgrund der benötigten großen Anzahl von Linsen treten die gleichen Nachteile in Bezug auf den Kontrast wie bei den oben genannten Weitwinkelokularen auf.

Dieser Aspekt des ermüdungsfreien Beobachtens ist sehr wichtig, wenn man feinste Planetendetails erkennen möchte. Neben dem angenehmen Einblick in das Okular selbst gehört hierzu auch eine entspannte Einblickposition am Teleskop selbst. Ein für stehende Beobachtung ausgelegtes Teleskop sollte so aufgestellt werden, dass man bequem ins Okular schauen kann, ohne sich zu strecken oder in eine unbequeme Position vorbeugen zu müssen. Umgekehrt sollte ein für sitzende Beobachtung konzipiertes Teleskop auch sitzend benutzt werden.

Das ermüdungsfreie Beobachten ist aufgrund eines weiteren Aspektes sehr wichtig: Bei einem flüchtigen Blick sind Planetendetails nur schwer erkennbar. Je länger man das Objekt betrachtet, und je öfter man beobachtet, umso mehr Details erkennt man.

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Vergrößerungen

Bei schwacher Vergrößerung relativ zur Öffnung erscheinen Planetenbilder oft blendend hell. Feine Details werden dann überstrahlt. Der Grund hierfür ist die Austrittspupille, die dann sehr groß ausfällt und ein helles Bild erzeugt. Erlaubt das Seeing keine hinreichend hohen Vergrößerungen, um das Blenden zu eliminieren, sollte man mit Grau- oder Farbfiltern arbeiten.

Für Planetenbeobachtungen haben sich Vergrößerungen bewährt, die Austrittspupillen von ca. 0,8 bis 0,7 Millimeter erzeugen. Das entspricht knapp dem 1,5-fachen Objektivdurchmesser in Millimeter. Diese Vergrößerung erlaubt eine angenehme Bildhelligkeit und Bildgröße. Zudem sind der Kontrast und die Schärfe dann noch sehr hoch, und die systembedingten Beugungsunschärfen treten noch nicht deutlich hervor.

Grundsätzlich muss die Vergrößerung dem Seeing angepasst werden. Je unruhiger das Planetenbild im Okular ist, umso schwächer muss vergrößert werden, da die Seeingunschärfen das Bild sonst dominieren und eine genaue Fokussierung dann oft nicht möglich ist. Die maximal sinnvolle Vergrößerung wird bei Planetenbeobachtungen in der Regel durch das Seeing bestimmt.

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Farbfilter

Farbfilter dienen dazu, den Kontrast auf der Planetenoberfläche zu verbessern. Zusätzlich dämpfen sie die Helligkeit des Planeten. Aus diesem Grund werden sie in der Regel bei Teleskopen über zehn Zentimeter (vier Zoll) Öffnung eingesetzt. Sie werden in das Teleskopseitige Gewinde des Okulars geschraubt. Die Abbildung zeigt ein Okular mit eingeschraubtem Rotfilter.

Farbfilter im Okular

Damit das Auge zwei benachbarte Details auf Planeten unterscheiden kann, bedarf es neben der entsprechenden Auflösung des Teleskops eines hinreichend hohen Kontrastes, also Helligkeits- und Farbunterschiedes zwischen zwei Nachbardetails. Ist dieser zu gering, sind solche Strukturen nur sehr schwer oder im Extremfall überhaupt nicht unterscheidbar.

Hier kommt der Farbfilter ins Spiel. Er verstärkt bestimmte Farben und schwächt die entsprechenden Komplementärfarben ab. Die Folge ist, dass ein Filter je nach Farbe bzw. Wratten-Nummer bestimmte Details auf Kosten anderer hervorhebt. Je nach Ziel der Beobachtung kann ein Filter einen enormen Detailgewinn bringen. Welcher Filter welchen Nutzen bringt, hängt vom jeweiligen Planet im Einzelfall ab. Eine entsprechende Erläuterung findet sich bei der Beschreibung der einzelnen Planeten.

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Fazit

Planetenbeobachtung ist ein spannendes Arbeitsgebiet innerhalb der Amateurastronomie. Die Unabhängigkeit von einem dunklen Himmel macht sie auch für Stadtbewohner interessant. Aufgrund der hohen Ansprüche an die Optiken und Qualität der Atmosphäre kann man die Planetenbeobachtung als "Königsdisziplin" der Amateurastronomie betrachten.

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