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Teleskopkauf:
Vorbereitung, Kaufberatung und Test

Inhalt
1. Einleitung
2. Vorbereitungen zum Teleskopkauf
3. Kaufberatung
4. Das Teleskop testen

Früher oder später kommt bei fast jedem Sternfreund der Wunsch nach einem eigenen Teleskop. Auf dem Markt gibt es eine so große Zahl verschiedener Teleskoptypen, dass es für einen Anfänger (und auch oft genug für erfahrene Hobbyastronomen) nicht einfach ist, das für den eigenen Zweck am besten geeignete Teleskop zu finden. Dieser Artikel gibt einen kleinen Leitfaden zum Teleskopkauf und den hierfür unbedingt erforderlichen Vorbereitungen (siehe hierfür auch "Einsteigerteleskope").

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Vorbereitungen zum Teleskopkauf

Bevor man sich ein Teleskop kauft, sollte man sich wie in vorangegangenen Beiträgen beschrieben mit dem Sternenhimmel vertraut machen und mit dem Feldstecher das Auffinden von Objekten üben.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, mit welchen Teleskopen man am besten zurecht kommt, ist es sinnvoll, Sternfreunde in seiner Umgebung zu kontaktieren und ggf. gemeinsame Himmelsbeobachtungen durchzuführen.

Vor dem Kauf eines Teleskops muss man seine individuellen Rahmenbedingungen abklären. Das kann einem keine noch so gute und seriöse Kaufberatung abnehmen.

Der wichtigste Aspekt ist die Frage nach dem Beobachtungsplatz und ob ein Fahrzeug zum Transport zur Verfügung steht. Dieser Punkt entscheidet nämlich, welche Abmessungen und Gewicht das Teleskop maximal haben darf. Ist man beispielsweise gezwungen, das Teleskop als Handgepäck zum Beobachtungsplatz zu transportieren, macht es natürlich keinen Sinn, einen 8 Zoll f/6 Dobson zu kaufen, nur weil es das wahrscheinlich am vielseitigsten einsetzbare Teleskop ist. Dies soll nur ein Beispiel sein.

In diesem Zusammenhang muss man sich vorher unbedingt ein eigenes Bild von der Größe (im Sinne von Abmessungen und Gewicht) der verschiedenen Teleskope zu machen, und zwar durch eine eigene Besichtigung vor Ort. Nur so bekommt man einen realen Eindruck von der Größe mancher Teleskope. Obwohl ich sie schon oft gesehen habe, erstaunt mich beispielsweise die Größe eines zehn Zoll Newton-Tubus immer wieder. Man neigt mitunter auch dazu, die eigene körperliche Belastbarkeit zu überschätzen. Insbesondere Tuben mit größeren Öffnungen erscheinen aufgrund ihrer Abmessungen meist subjektiv schwerer und beim Transport anstrengender, als es die reine Gewichtsangabe vorgaukelt.

Wichtig ist es auch, für sich herauszufinden, ob man regelmässig und ausgiebig beobachten oder ob man nur ab und zu mal eben in die Sterne schauen möchte. Wer als Gelegenheitsbeobachter nur ab und zu kurz beobachtet, hat möglicherweise keine Zeit oder Lust, die je nach Bauweise zwei bis drei Stunden, in aller Regel jedoch mindestens 30 bis 45 Minuten andauernde Auskühlphase größerer Amateurteleskope abzuwarten, bis die Auflösung voll genutzt werden kann oder die Optik je nach Konstruktion möglicherweise vor jeder Beobachtung justieren zu müssen (das ist bei Gitterrohr-Konstruktionen der Fall).

Bevor man sich für ein Gerät bei einem bestimmten Händler entscheidet, empfiehlt es sich, die verschiedenen Angebote ausführlich und kritisch zu vergleichen. Oft finden sich bei Preis und Ausstattung bei ein und dem selben Teleskop zum Teil erhebliche Unterschiede. Wird ein Teleskop beispielsweise auf zwei verschiedenen Montierungen angeboten, ist grundsätzlich die Version mit der stärkeren Montierung vorzuziehen, da diese Kombination stets stabiler und vor allem schwingungsärmer ist.

Als Anfänger sollte man beim Studium der zahlreichen Angebote nach Möglichkeit auch erfahrene Sternfreunde zu Rate ziehen. Ohne praktische Erfahrung ist es nämlich nahezu unmöglich einzuschätzen, welche Werbeaussagen über Geräte-Eigenschaften realistisch sind, oder ob eine gegebene Montierung für ein ins Auge gefasstes Teleskop stabil genug ist.

Eine weitere, sehr ergiebige Quelle für verschiedene Meinungen sind Internet-Foren zum Thema Astronomie. Hier finden sich in der Regel immer Nutzer, die ein gegebenes Teleskop oder Problem kennen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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Kaufberatung

Der Kauf bei einem lokalen Händler vor Ort bringt den Vorteil des persönlichen Gesprächs mit sich. Auf diese Weise lassen sich mitunter Missverständnisse, wie sie bei einer Beratung per Telefon oder E-Mail auftreten können, vermeiden. Hier kann man sich auch verschiedene Teleskope vor Ort anschauen und so einen besseren Eindruck als im Katalog bekommen, sofern man vorher keine Gelegenheit hatte, sich verschiedene Teleskope anzusehen.

Leider lauern auch hier Fallen, die mitunter aber unvermeidlich sind:

Da das Teleskop beim Händler im Laden vorgeführt wird, wird es vermutlich auf ein Objekt in einiger Entfernung gerichtet werden, das sich dann in der Regel jenseits einer Straße befindet. Diese Konstellation bringt den Effekt starker Luftturbulenzen aufgrund von aufsteigender Warmluft ("Seeing") mit sich. Das Bild wird im Teleskop deshalb stets unruhig und etwas unscharf erscheinen. Meiner Erfahrung nach kann man bei terrestrischen Beobachtungen am Tag praktisch nie stärker als 100-fach vergrößern. Die Bildqualität kann vom Kunden objektiv leider erst am Sternenhimmel bei gutem Seeing beurteilt werden, sieht man von einer unabhängigen (!) Prüfung auf der optischen Bank ab.

Der Blick durch ein Teleskop beim Händler sollte mit verschiedenen Okularen erfolgen. Nicht jedes Teleskop liefert mit jedem Okular eine optimale Abbildung. Insbesondere bei lichtstarken Teleskopen (Öffnungsverhältnisse f/5 oder lichtstärker; die f/6-Allrounder sind hier nicht ganz so anfällig) tritt dieses Problem auf, sie sind "okularkritisch". Man sollte also darauf bestehen, ein Teleskop mit verschiedenen Okular-Bauweisen auszuprobieren, soweit diese beim Händler verfügbar sind.

In diesem Zusammenhang sollte ein Teleskop auch mit schweren Okularen getestet werden. Langbrennweitige Weitwinkel-Okulare können aufgrund ihrer relativ großen und zahlreichen Linsen schnell einige hundert Gramm wiegen. Bei Teleskopen, die fest mit der Montierung verbunden sind, sich also nicht ausbalancieren lassen, kann dies zu einer Verlagerung des Schwerpunkts und somit zu einem Stabilitätsverlust, insbesondere beim fokussieren, führen. Im Falle von Dobsons kann das dazu führen, dass der Tubus nach der Ausrichtung der Schwerkraft folgend absinkt, insbesondere wenn der Tubus weniger steil in den Himmel gerichtet ist. Hier kann man mit Magneten als Gegengewicht einen Ausgleich bewirken. Schwere und damit meist teure Okulare sind nicht bei allen Händlern auf Lager, so dass dieser Test leider nicht immer durchführbar ist.

Das Ziel einer Kaufberatung ist es, die Bedürfnisse, Wünsche und Rahmenbedingungen des Kunden zu ermitteln und darauf basierend das am besten geeignete Teleskop und Zubehör zusammen zu stellen. Zu diesem Zweck sollte der Händler zusammen mit dem Kunden die folgenden Punkte abklären:

  • Welche Rahmenbedingungen liegen vor? Bestehen Transportmöglichkeiten zum Beobachtungsplatz per PKW oder wird im Garten oder auf dem Balkon beobachtet? Dieser Aspekt entscheidet über maximale Abmessungen und Gewicht des Teleskops.

  • Ist bereits eine Ausrüstung vorhanden, auf die ggf. aufgebaut werden kann?

  • Welche Erfahrungen wurden bereits gesammelt? Insbesondere, ob man bevorzugt bestimmte Objekte oder das gesamte Spektrum an Himmelsobjekten beobachten möchte ist bei der Teleskopwahl von großer Wichtigkeit.

  • Ist man voraussichtlich Gelegenheitsbeobachter oder beobachtet man regelmässig und viel?

  • Ist man bereit, sich in die Justage von Optiken einzuarbeiten und ein Gerät ggf. zu optimieren? Kann oder sollte das in Augenschein genommene Teleskop optimiert werden, um das Maximum an Leistungsvermögen zu erhalten?

  • Haben sich im Laufe der Kaufberatung einige wenige in Frage kommende Teleskope heraus kristallisiert, müssen die systembedingten Eigenheiten und produktspezifische Stärken und Schwächen besprochen werden. Der Kunde sollte hierbei Verarbeitungsqualität, Justage-Möglichkeiten, ggf. Nachführgenauigkeit und Lautstärke des GoTo-Systems (wichtig bei Balkon-Beobachtungen) abklären sowie die Folgekosten für benötigtes Zubehör, speziell Okulare, erfragen.

    Typische Kostenfallen sind sehr lichtstarke Teleskope, die nur mit sehr teuren Okularen eine wirklich gute Abbildungsleistung liefern sowie langbrennweitige Refraktoren und Newtons, die eine sehr stabile und damit teure Montierung benötigen, wenn sie nicht als Dobson betrieben werden sollen oder können.

  • Bei Fernost-Produkten empfiehlt es sich aufgrund der Qualitätsstreuungen, sich eine Mindestqualität schriftlich garantieren zu lassen. Bei der Optik sollte diese mindestens "beugungsbegrenzt" sein, d.h. die Abbildungsqualität wird nur noch durch nicht umgehbare physikalische Eigenschaften, zum Beispiel Beugung an der Fangspiegelaufhängung oder Linsenfassung, beeinträchtigt.

  • Ausführliche Bedienungsanleitung (leider nicht selbstverständlich)

Prinzipiell lassen sich Kaufberatungen bei überregionalen Händlern auch per Telefon oder E-Mail durchführen.

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Das Teleskop testen

Für den Test eines neuen Teleskops gelten prinzipiell auch die Aspekte, die oben unter "Kaufberatung" genannt wurden. Sie werden hier nicht noch einmal erläutert.

Nach der Lieferung steht als erstes die Überprüfung auf Vollständigkeit und äusserlich sichtbare Mängel an. Beim Versandkauf müssen solche Mängel je nach Geschäftsbedingungen mitunter direkt beim Auslieferer angezeigt werden.

Nach dem Aufbau gemäß Bedienungsanleitung steht der Test der Optik an. Ein objektiver Test ist vom Kunden, wie bereits erläutert, nur am Stern bei sehr gutem Seeing möglich. Bei ruhiger Luft und korrekter Justage der Optik zeigt ein Stern bei hoher Vergrößerung und einwandfreier Optik ein winziges, im Rahmen des Seeings nahezu kreisrundes scharf begrenztes Beugungsscheibchen mit ein bis drei konzentrischen Beugungsringen.

Spiegelteleskope müssen aufgrund von Erschütterungen bei der Auslieferung häufig nachjustiert werden. Die Vorgehensweise ist der Bedienungsanleitung des Teleskops zu entnehmen. Beim Kauf bei einem lokalen Händler sollte man sich die korrekte Justage zeigen lassen. Auch wenn die Fein- und Feinstjustage in aller Regel bei starker Vergrößerung am Stern vorgenommen werden muss, sollte ein Händler in der Lage sein, das Gerät so gut zu justieren, dass man bei terrestrischen Tagbeobachtungen zumindest eine Grobeinschätzung der Qualität vornehmen kann.

Die Montierung sollte kein Spiel in den Achsen haben. Nach längerem Gebrauch kann bei parallaktischen Montierungen ein sog. Getriebespiel auftreten, das beim Hersteller behoben werden kann. Dies ist ein normaler Vorgang und stellt keinen Mängel dar. Ein Neugerät sollte dieses Problem jedoch nicht haben.

Ein weiterer qualitätskritischer Punkt ist die evtl. vorhandene elektrische Nachführung. Bei guter Einnordung der parallaktischen Montierung sollte sie einen bei schwacher Vergrößerung zentrierten Stern mindestens eine halbe bis eine Stunde im Gesichtsfeld halten. Einige Geräte im unteren Preissegment lassen den Stern mit elektrischer Nachführung Erfahrungsberichten zufolge in eine x-beliebige Richtung ausscheren.

Grundsätzlich sollten alle elektrischen Komponenten und -Funktionen möglichst bald nach Erhalt des Teleskops auf ihre Funktionalität getestet werden.

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